00:10
Herzlich Willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Mein Name ist Wolfram Möll. Bei mir ist die Frau, die mir nach dem ersten Teil unseres heutigen Hörspiels gesagt hat, Mensch Wolfram, hast du eigentlich den Schuss nicht gehört? Susanne Jansson.
00:24
Hallo Wolfram. Und damit sei doch bewiesen, dass nicht nur Kinder, Narren und Betrunkene die Wahrheit sprechen, sondern auch Susannes oder Susannes. Denn du hast den Schuss ja tatsächlich noch nicht gehört. Angekündigt im Titel, aber bis jetzt im ersten Teil noch nicht da. Aber wir haben eine Susanne, wo ja immer die Frage war, spricht denn sie die Wahrheit?
00:43
Ich finde, ich habe doch jetzt gerade den Beweis erbracht.
00:46
Eine Pass pro Toto, eine für alle.
00:48
Genau, so sind wir. Wir treffen uns auch einmal im Jahr.
00:52
Das stimmt. Also, die Susanne bei uns im Hörspiel hat wirklich auch Taten folgen lassen, um die Geschichte, um die weitere Geschichte zu untermauern. Sie hat einen extrem eifersüchtigen Ehemann, Mr. Olivier Lenoir. Der ist so eifersüchtig, dass eine Standuhr hat umbauen lassen mit einem Mikrofon, damit er mithören kann, was Suzanne zu Hause macht und spricht, wenn er nicht da ist. Er bekommt sein Gespräch mit, wo Suzanne von einem ehemaligen Liebhaber aufgesucht wird. Der will sie erpressen, denn sie hätte wohl ihren Ehemann umgebracht.
01:25
Also nicht den Kommissar, sondern den davor.
01:27
Und Susanne ist davon wirklich so mitgenommen, beschwört auch ihre Liebe in diesem Gespräch, dass sie sich sogar umbringen möchte. Zum Glück hat der Kommissar das noch gemerkt, ruft die Ambulance und damit sind wir dann gerade beim zweiten Teil angelangt.
01:41
Schauen wir mal, ob Susanne von 1968 es ihrem Mann vielleicht ein bisschen nachträgt, dass er sie heimlich ausspioniert mit dem Tonbandgerät oder ob jetzt einfach alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber eben, er fehlt ja noch, der zweite Schuss.
01:55
Und doch der erste, oder? Mensch, was der zweite heißt.
01:57
Das ist doch nicht so spitz, finde ich.
01:58
Also, viel Vergnügen beim zweiten Schuss im zweiten Teil von Robert Thoma.
02:03
Viel Spaß.
02:36
Guten Tag, Michel Edouard.
02:37
Ich danke Ihnen, dass Sie so rasch gekommen sind. Das ist doch selbstverständlich.
02:42
Ach, sind Sie allein? Ja, meine Frau liegt im Bett. Sie... Oh, ist sie krank?
02:47
Ich sah gestern Abend in den Krankenwagen kommen, als ich meinen Posten bezog. Da habe ich mir Sorgen gemacht.
02:52
Ja, ein kleines Malheur, aber es ist alles wieder in Ordnung. Sie muss sich nur ausruhen. Ja, ich... Ich habe heute Nacht lange Zeit gehabt, über alles nachzudenken. Und ich habe mir schreckliche Vorwürfe gemacht. Sie hatten recht, Eduard. Es war alles meine Schuld.
03:07
Na, was ich Ihnen sagte. Ich habe Herrn Riecher dafür. Ihre Frau ist die Anständigkeit selber.
03:12
Ja, genau. Und ich habe sie gequält. Im Vertrauen, Eduard. Sie hat eine ganze Röhre Schlaftabletten geschluckt. Nein. Ja, Gott sei Dank bin ich rechtzeitig zurückgekommen und konnte sie retten. Man hat ihr sofort den Magen ausgepumpt und jetzt muss sie sich nur noch richtig ausruhen.
03:26
Ende gut, alles gut. Na, hoffentlich sind Sie jetzt wirklich geheilt, Monsieur Lenoir. Keine grundlose Eifersucht mehr, keine schwarzen Befürchtungen. Nein. Apropos, haben Sie das Tonband abgehört?
03:39
Ja, ja. Es war natürlich leer, genau wie Sie prophezeit haben. Großartig.
03:45
Und die Überwachung meiner Frau ist natürlich ab heute aufgehoben. Ich danke Ihnen sehr für Ihre gewissenhafte Arbeit, Monsieur Edouard. Sie können nach Paris zurückfahren.
03:54
Was bin ich Ihnen noch schuldig?
03:56
Ach, gar nichts. Bitte Sie, Monsieur Lenoir. Sie haben mich bis gestern Nachmittag bezahlt und die paar Stunden am Abend und heute Morgen. Nein, nein. Ich muss ja sowieso auf den Abendzug warten.
04:07
Nein, kommt nicht in Frage. Sie haben Ihre Zeit auch nicht gestohlen und ich war außerordentlich zufrieden mit Ihren Diensten. Auch persönlich. Sie wissen, dass ich Sie sehr schätze, Edouard.
04:16
Das ist mir eine große Genugtuung und...
04:19
Wenn ich so sagen darf, mehr als eine materielle Entschädigung.
04:23
Nein, nein, warten Sie. Ich stelle Ihnen einen Scheck aus.
04:29
Hoffentlich erholt sich Ihre Frau bald wieder.
04:33
Na?
04:34
Ihre Hände zittern ganz ordentlich. Das muss ja ein schöner Schock für Sie gewesen sein.
04:39
Na ja, die Unterschrift wird man trotzdem lesen können. Bitteschön. Oh, Monsieur. Nein. Das ist wirklich, das ist zu viel. Das kann ich nicht annehmen.
04:51
Also nehmen Sie und gehen Sie jetzt. Wenn meine Frau aufsteht, ich habe schon genug Unheil angerichtet.
04:56
Ja, natürlich. Also vielen Dank. Bitte. Und falls Sie in Ihrem Bekanntenkreis noch ein paar andere eifersüchtige Ehemänner haben sollten, vielleicht geben Sie denen meine Geschäftskarte. Hier, bitte. Danke. Ja, und vergessen Sie mich nicht ganz.
05:14
Darauf können Sie sich verlassen, Monsieur Edward.
05:16
Also, dann auf Wiedersehen, Monsieur Lenoir, und nochmals vielen Dank. Bitte. Ich werde noch ein bisschen Fischen gehen jetzt. Heute beißen Sie bestimmt an.
05:25
Ja, na, dann Petrieal.
05:37
Hallo? Hallo? Bitte, die Station von Dr. Javé. Hier ist Kommissar Lenoir.
05:43
Ja. Hallo? Ah, guten Tag, Herr Doktor. Ja, ja, ich wollte mich nochmals herzlich bedanken. Sie hat meiner Frau das Leben gerettet. Ja, ja, sie hat ausgezeichnet geschlafen. Susanne, einen Moment. Bitte? Nein, nein, nein. Nein, alles, was wir jetzt brauchen, ist etwas Ruhe und Erholung. Ja. Ach, ein ganz dummer Unfall. Sie hatte im Schlaf noch einmal eine Menge Tabletten genommen. Sie erinnert sich gar nicht mehr richtig.
06:12
Ja, ja, ja. Also, nochmals vielen Dank, Herr Doktor. Ja, Sie schicken mir die Rechnung, ja? Gut.
06:21
Auf Wiedersehen, Herr Doktor. Warum bist du aufgestanden? Du bist doch noch schwach.
06:26
Und warum hast du gelogen? Das tust du doch sonst nie.
06:29
Ach, es braucht doch nicht die ganze Bretagne über unsere kleinen Schwierigkeiten Bescheid zu wissen.
06:35
Kleine Schwierigkeiten nennst du das?
06:37
Komm, setz dich zu mir und hör mir gut zu, Liebling.
06:40
Liebling?
06:41
Na, darf ich zu meiner Frau nicht Liebling sagen? Du bist doch meine Susanne, immer noch dieselbe Susanne, die ich liebe. Bloß ich habe mich verändert. Gestern war ich nur ein armer, eifersüchtiger Idiot, der sich mit Gespenstern herumschlug, der nicht wusste, wovor er eigentlich Angst haben musste. Aber seit heute Nacht weiß ich es. Und die Angst ist weg. Jetzt kann der Tiger kämpfen für sein Weibchen.
07:01
Oh, mein Liebling. Mir war lieber, du würdest mir ins Gesicht schlagen. Müsste ich mich nicht so schämen.
07:09
Komm, sei ruhig, mein Schatz. Jetzt ist doch alles gut.
07:12
Du brauchst doch keine Angst mehr zu haben. Ich bin Fachmann auf dem Gebiet von Erpressergeschichten.
07:17
Wenn du mir nur von Anfang an die Wahrheit gesagt hättest, dann wäre uns eine Menge erspart geblieben.
07:23
Ich hatte Angst, dich zu verlieren. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich liebe.
07:28
Ja, ich weiß es. Ich habe das Tonband zwanzigmal abgespielt heute Nacht. Ich habe alles gehört und ich weiß jetzt, dass du mich liebst. Und ich bin sehr glücklich. Alles andere ist unwichtig geworden. Damit werden wir fertig werden.
07:43
Als du nichts von mir gewusst hast, da warst du wütend und argwöhnisch. Und jetzt, wo du meine Vergangenheit kennst, bist du glücklich.
07:49
Ja, und weißt du warum? Bis jetzt warst du eine Frau, die etwas von mir zu verbergen sucht. Und damit hast du eine Wand zwischen uns aufgerichtet. Ich habe das genau gespürt. Aber jetzt bist du endlich meine Frau, die mit Haut und Haaren zu mir gehört. und deren Glück und Sicherheit ich mit allen Mitteln verteidigen werde. Ist das klar, mein Liebling?
08:08
Klar, Herr Kommissar.
08:09
Und du, diesen kleinen, armseligen Erpresser werden wir schleunigst abservieren. Den ersten Trumpf hat er schon verloren. Er hat ja gedroht, dass er mir alles erzählen würde und dachte, er habe dich damit in der Hand. Sein Pech, dass ich alles schon weiß.
08:20
Aber wenn er anderen davon erzählt, wenn er zur Polizei geht... Na und?
08:23
Die Polizei verlangt Beweise. Und selbst wenn er welche haben sollte, dann liefere ich Gegenbeweise. Dazu ist nur eines nötig.
08:31
Du musst mir die ganze Geschichte erzählen, mit jeder Einzelheit.
08:34
Alles?
08:34
Ja, ich kann nur etwas gegen ihn tun, wenn ich alles weiß. Die ganze Wahrheit also.
08:39
Komm zu mir.
08:39
Nein, ich setze mich dir gegenüber. Stell dir vor, ich sei der Richter, der dich verhört.
08:49
Aber zuerst muss ich dir sagen, dass ich meinen Mann gar nicht umgebracht habe. Das heißt, nicht mit Absicht. Es war Patrice, der mir das eingelogt hat. Patrice!
08:57
Ich habe mich also nicht verhört. Du hast diesen Namen im Schlaf gesagt.
09:02
Verzeih, ich habe dich unterbrochen.
09:05
Ich war sehr jung, als ich Patrice kennenlernte. Und ich hatte absolut keine Erfahrung mit Männern.
09:13
Ich habe mit ihm zusammen gelebt.
09:15
Aber sehr bald habe ich gemerkt, dass er ein Schwindler war, ein Spieler, ein gemeiner, kleiner Gauner. Er hat nie gearbeitet. Er versuchte, auf andere Weise zu Geld zu kommen.
09:24
Und dein erster Mann?
09:25
Ja. Ja.
09:27
Eines Tages stellte mir Patrice einen Freund vor, er hieß Vincent Leroy. Der umwarb mich sehr und machte mir einen Heiratsantrag. Und Patrice redete mir zu, ich soll ihn nehmen, er sei sehr reich, ich wäre alle Sorgen los mit Vincent und er würde mich auch auf Händen tragen. Schließlich heiratete ich ihn. Er war noch schlimmer als Patrice. Drogensüchtig, Trinker.
09:53
Und eines Abends hat er mir lachend erklärt, er habe mich Patrice regelrecht abgekauft.
09:57
Naja, bessere Zuhälterei, das ist nichts Besonderes in so einem Milieu.
10:03
Ja, aber das Milieu färbte auf mich ab, ich kam vollkommen runter. Ein paar Monate später wurde ich wieder die Geliebte von Patrice. Ein hübsches Trio waren wir.
10:14
Und wie starb dein Mann?
10:16
Das war an einem Abend. Patrice war zu mir gekommen, wir waren allein und plötzlich kam Vincent nach Hause, unerwartet und total betrunken. Er machte uns eine Szene, die Männer fingen an sich zu prügeln, ich geriet dazwischen, Vincent ohrfeigte mich.
10:31
Ich verlor den Kopf und griff nach irgendetwas, um mich zu wehren. Es war ein Aschenbecher aus Bleikristall. Vincent stürzte auf mich zu, ich warf ihm das Ding an den Kopf und er fiel auf den Boden und rührte sich nicht mehr. Er war tot. Ich dachte, ich verliere den Verstand.
10:47
Und dann?
10:49
Patrice hat sofort alles getan, damit ich aus der Sache war. Er legte den Toten so hin, als wäre er mit dem Kopf auf die Kaminkante gefallen. Sie war mit Schmiedeisen eingefasst. Und dann rief er die Polizei an und ich sagte aus, mein Mann sei gestolpert und betrunken, wie er war, gegen den Kamin gestürzt.
11:05
Hat das die Polizei geglaubt?
11:08
Man hat festgestellt, dass er tatsächlich vollkommen blau gewesen war. Außerdem hinterließ er mir nichts. Nichts als Schulden.
11:15
Kein Motiv, also kein Verbrechen.
11:21
Der Fall wurde zu den Akten gelegt und ich war wieder auf dem Nullpunkt angekommen.
11:26
Und Patrice? Patrice.
11:28
Der verschwand noch bevor die Polizei kam. Er nahm alles mit, was ich noch hatte. Mein Schmuck und den letzten Rest Bargeld. Doch am selben Abend hat er das Flugzeug nach Südamerika genommen. Charmant.
11:40
Und du, was hast du gemacht?
11:42
Ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Als Barmaid und dann als Geschäftsführerin in der Bar. Ich habe ein bisschen Geld gespart und das habe ich dann alles wieder ausgegeben für die Kreuzfahrt, auf der wir uns kennengelernt haben. Ja. Weißt du, ich wollte einfach einmal irgendetwas Schönes erleben. Frei werden von den Erinnerungen. Aber ich habe dich nicht heiraten wollen, das weißt du genau. Und ich hatte recht.
12:07
Du, unsere Heirat war das Klügste, was wir beide je getan haben.
12:12
Und jetzt pass auf, mein Herz, die Situation ist gar nicht so schlimm. Wenn Patrice zur Polizei geht, dann kompromittiert er sich selbst ebenso sehr wie dich. Er wird sich also hüten, das zu tun. Was er will, ist Folgendes. Erstens, dir Angst machen. Zweitens, Geld einkassieren. Drittens, verschwinden. Na schön. Erstens, hab keine Angst mehr. Zweitens, wir geben ihm das Geld. Und drittens, wir lassen ihn abhauen. Dann ist alles okay.
12:40
Was du willst zahlen?
12:41
Um dir deine Ruhe wiederzugeben, gern.
12:44
Ach, der Lump hat schon einmal Geld für mich verlangt. Der soll doch nicht auch noch bei dir damit Glück haben.
12:47
Aber das ist doch keine Tragödie, Liebchen. Schließlich habe ich 20 Jahre lang ein äußerst bescheidenes Junggesellenleben geführt. Ich habe genug gespart, außerdem noch eine kleine Erbschaft gemacht und ein paar gute Wertpapiere von früher her. Jetzt ist es eben Zeit, das Geld wieder etwas in Umlauf zu bringen. Hallo?
13:09
Ja, bitte verbinden Sie mich mit dem Golfhotel Wann, Fräulein. Danke. Jetzt sprich mit ihm, freundlich, liebenswürdig. Tu so, als seist du mit allem einverstanden. Sag ihm, er soll sofort hierher kommen. Du seist allein und du habest das Geld. Den Rest besorg ich.
13:22
Ich kann nicht mit ihm reden. Bitte, Olivier.
13:24
Bitte, Liebling, tu es für uns. Hallo? Hotel du Golf? Ja. Könnte ich bitte Herrn Luis de Cordoba sprechen? Danke. Danke.
13:37
Hallo, bist du's? Ja, hör zu, wir müssen uns arrangieren.
13:44
Ja, ja, du siehst, ich bin vernünftig. Also komm so rasch wie möglich zu mir, ja? Bitte? Ich bin allein. Ja, ja, ja, ich bin allein. Und ich hab das Geld. Küstenstraße. Und fahr die Küstenstraße, da bist du sofort hier. Gut, ich erwarte dich.
14:05
Na bravo, das war ausgezeichnet, mein kleiner Komplize. Wie wär's denn mit deinem Whisky für uns beide jetzt?
14:12
Ach, ja, ist eine gute Idee.
14:15
So.
14:16
Santé, mein Schatz. Auf gutes Gelingen.
14:22
Du, der Mann ist gefährlich, Olivier. Der hat schon Dinge getan. Der ist zu allem fähig. Er kann dich umbringen.
14:28
Möglich, aber davon hat er nichts. Er braucht Geld. Und das kann er nur von mir bekommen, wenn er mich leben lässt.
14:33
Also du willst wirklich bezahlen? Natürlich. Gott, das werde ich dir nie vergessen.
14:38
Oh doch, ich werde jedenfalls alles tun, damit du die ganze Geschichte möglichst bald vergisst.
14:42
Aber du wirst sehen, er verlangt einen unverschämten Preis.
14:44
Na mal sehen, wie viel ich runterhandeln kann.
14:47
Auf jeden Fall zahlst du mehr, als ich wert bin.
14:49
Du, du unterschätzt deine Valuta, mein Herz. Ich zahle Liebhaberpreise. Für mich bist du... bist du nicht mit Geld zu bezahlen. Bevor ich dich kannte, habe ich nicht gewusst, wie schön es sein kann zu zweit.
15:03
Ich auch nicht.
15:04
Und jetzt sind wir glücklich. Also pfeifen wir aufs Geld, nicht wahr?
15:07
Also von mir aus, ich würde mit dir in einer Mansarde leben.
15:10
Sherry...
15:12
Er ist da. Das ist ein Pfiff. Mein Gott, so schnell.
15:17
Der riecht die Moneten. Setz dich an den Schreibtisch. Er wird durch die Gartentür kommen. Lass ihn eintreten, aber rühr dich nicht und red nicht mit ihm. Er soll mich nicht sofort sehen, sonst läuft er davon. Ich versteck mich hinter den Vorhang. So kann ich ihm den Rückweg abschneiden.
15:32
Hallo? Tag, meine Süße.
15:37
Na, was sagst du zu meiner Rekordleistung? Auf den Flügeln der Liebe eile ich in deine Arme, damit du dir es nicht noch anders überlegst. Na, wo sind die Penunsen? Wie viel hast du immer abgestaubt? Na, was los? Sprache verloren? Man sagt doch wenigstens guten Tag. Guten Tag. Oh, oh, oh, pardon, Monsieur, ich, ich hab sie gar nicht gesehen. Ich bin, ich bin nur ganz schnell vorbeigekommen, um zu fragen, ob es dabei bleibt, dass ich am Sonntag den Gast... Geben Sie sich keine Mühe, Sie kleiner Gauner. Oh.
16:01
Ich weiß Bescheid. Aha. Charmant. Vorbildliche Ehe.
16:07
Hm?
16:08
Respekt, Susanne. Ja, wir haben uns ausgesprochen. Und ich habe Susanne gebeten, Sie anzurufen. Ich denke, wir haben eine Kleinigkeit miteinander zu erledigen. Aha, wir machen es en famille.
16:22
Sehr gut. Geh auf dein Zimmer, Susanne.
16:24
Kann ich nicht lieber dabei sein?
16:25
Bitte, lass uns allein. Na, mach schon, was man dir sagt. Das ist ein Geschäft für harte Männer. Und du kommst drum rum, mir Adieu zu sagen. Olivier... Wirklich, Liebling, ich mach das lieber an.
16:34
Aber ich möchte dir... Du sollst auf dein Zimmer gehen, verdammt noch mal. Hab, verstanden? Reden Sie anständig mit meiner Frau sonst... Na ja, ja, ja, schon gut, aber...
16:41
Aber was wollen Sie jetzt? Ist sie wenigstens gegangen. Tatsächlich. Sie haben nicht viel Erfahrung mit Frauen, was? Ich gebe Ihnen einen Rat. Halten Sie sie fest an der Kandare. Die sanfte Tour zieht nicht.
16:52
Aber Gaunereien und Erpressungen, die zahlen sich aus, wie?
16:56
Ja, wie Sie sehen. Also, wie viel? Sie sind ja ein toller Typ. Sie gehen gleich in die Vollen, was? Na schön. Ist mir auch lieber als langes Herumquatschen. Wie viel? Für was? Dass Sie den Mund halten. Ja, wissen Sie...
17:12
Die Reise zu Susanne war nicht billig und dann musste ich ja noch herauskriegen, wo in Frankreich sie sich gerade aufhält. Und na ja, ich hatte eine Menge Unkosten und dann... Man möchte ja auch ein bisschen für die Zukunft sorgen.
17:25
Ich nehme an, Sie haben an eine größere Summe gedacht.
17:28
Ganz recht, an eine sehr große Summe, um genau zu sein. Aber bevor ich sie Ihnen nenne, möchte ich doch gern, dass Sie erfahren, wofür Sie bezahlen sollen. Schließlich ist das ein Geschäft wie jedes andere und jeder will wissen, was er für sein Geld bekommt. Also, erst die Ursache, dann die Wirkung, will sagen, die große Summe. Ja, ich höre, ich höre. Darf ich mich setzen? Aber machen Sie es kurz. Aber gern.
17:52
Also, Sie wissen ja bereits, dass Susanne ihren ersten Mann getötet hat.
17:55
Das hat sie nicht. Es war Unfall. Leroy war betrunken, ist gestürzt und hat sie an der Kaminkante das Genick gebrochen.
18:02
Das ist ja köstlich. Sie kommen hier mit meiner eigenen Version, die ich für die Polente zusammengebastelt habe? Aber ich, Herr Kommissar, ich war dabei, wie Susanne ihn umgebracht hat. Ich kann es bezeugen. Leroy hat sich das Genick gebrochen, weil sie ihm einen schweren Aschenbecher in den Kopf geschmissen hat. So war's. Ist ne tolle Leistung für so ne zarte Person, was?
18:22
Ein bisschen spät, finden Sie nicht auch, wenn Sie das heute plötzlich vor Gericht aussagen wollten?
18:28
Sie würden nämlich selber angeklagt. Wegen Tatverschleierung, Komplizenschaft und Flucht. Ja, aber das ist doch... Existiert übrigens noch ein anderer Tatzeug. Nur Vincent Leroy, aber der ist ja tot. Also passen Sie auf, mein Lieber. Wer liefert mir den Beweis, dass nicht Sie Leroy umgebracht haben und Suzanne nur hilflose Tatzeugin? Also sowas...
18:50
Na hören Sie, Sie sind ja ein ganz durchtriebener Sie. Aber ich sage Ihnen eines, ich habe nichts zu verlieren. Ich habe einen schlechten Ruf, ein miserables Leben und keinen zu. Von mir aus kann es einen Skandal geben, dass die Wände wackeln. Aber Susanne, bei der ist das was ganz anderes. Die hat sich in der feinen Gesellschaft installiert. Die hat eine prima Existenz. Die kann sich keinen Skandal leisten. Und Sie, Herr Kommissar? Sie schon gar nicht. Wenn Sie meine Frau durch den Dreck ziehen, haben Sie auch nichts davon. Aber dafür, dass ich es nicht tue, dafür werden Sie zahlen.
19:19
Und die Höhe der Summe?
19:21
Sie lieben sie.
19:23
Glück hat sie schon, die kleine Susanne. Hören Sie gut zu. Wenn Sie diese schmutzige Affäre an die Öffentlichkeit bringen, dann werde ich meine Frau verteidigen und ich kann Ihnen versichern. Ich bin ziemlich berühmt in meinem Metier. Ich werde alles auf Sie abschieben und Sie hundertprozentig belasten. Und Sie können Gift darauf nehmen. Meine Aussage im Zeugenstand und Susannes Tränen vor dem Untersuchungsrichter, das genügt vollkommen.
19:46
Sie wird weiß wie eine Lilie aus der ganzen Sache herausgehen, während Sie darin hängen bleiben. Ich habe einen brillanten Ruf als Mensch und als Polizeioffizier. Das zählt was bei der Justiz. Ja, die Polente hält zusammen. Also, Ihren Preis.
19:59
Ich muss Ihnen noch sagen, dass ich damit rechnete, meine Memoiren an eine Illustrierte zu verkaufen. Mit allen Details natürlich. Das könnte doch recht unangenehm werden für Ihre berufliche Karriere, aber was soll ich machen? Die Schmierfinken zahlen so gut. Ein Punkt für Sie. Ich werde es berücksichtigen. Ja, es kommt dazu, dass... Ja, man muss ja auch die gefühlsmäßige Seite berücksichtigen. Große Verlust.
20:29
Sehen Sie, ich liebe Susannchen immer noch. Schluss, komm mit, dann aber sofort. Ja, bitte, bitte, bitte. Ich rede ja nicht mehr davon.
20:37
Jetzt habe ich genug. Ich gebe Ihnen 10.000 Fr. Und damit verschwinden Sie für immer. Wie viel?
20:43
10.000 Fr. Na hören Sie, Sie machen wohl einen Scherz, was? Das ist ein besseres Trinkgeld. Hören Sie doch auf. Ihre 10.000 können sich an den Hut stecken. Ich will 300.000.
20:52
Sind Sie verrückt?
20:53
Nein, nur gut informiert. Ich habe keine 300.000 auf der Bank. Nicht in Bargeld, aber in Wertpapieren. Beides zusammen macht ungefähr die Summe aus. Meine Nachforschungen haben exakte Resultate ergeben, stimmt's?
21:07
300.000.
21:10
Ist das Ihr letztes Wort?
21:12
Nein, mein erstes. Beim nächsten werde ich noch etwas erhöhen, wo doch alles teurer wird. 300.000. Vermögen. Mein ganzes Vermögen. Tja, Pech, was? Aber alles inklusive Pauschalpreis sozusagen. Sie zahlen und ich verschwinde für immer aus Ihrem wohlgeordneten Leben.
21:36
Und welche Sicherheiten geben Sie mir? Was meinen Sie damit? Naja, angenommen, ich gebe Ihnen die 300.000. Und dann? Wer garantiert mir, dass Sie tatsächlich nie mehr auftauchen? Ja, aber ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Ach, wirklich? Na, was wollen Sie denn noch? Eine reelle Sicherheit will ich in Händen haben. Dass Sie uns für immer in Ruhe lassen müssen.
22:05
Wie stellen Sie sich denn das vor? Ich kann Ihnen nichts Besseres geben als mein Ehrenwort. Es tut mir leid.
22:10
Ja, dann bekommen Sie weder 10.000 noch 300.000, sondern gar nichts.
22:13
Also das ist die Höhe. Glauben Sie, ich lasse mich auf diese Weise abspeisen?
22:16
Aber Sie müssen doch einsehen, dass ich mit so einer Riesensumme kein Risiko eingehen kann. Ich zahle Ihnen doch nicht 300.000 Franken ohne eine todsichere Garantie, dass ich für diesen Preis auch das bekomme, was Sie ausgehandelt haben, nämlich Ihr lebenslanges Verschwinden. Ist doch logisch!
22:28
Ja, schon, natürlich. Ich meine, ich wollte Sie auch bestimmt nicht reinlegen. Ich werde wirklich abhauen, aber ich meine, was soll ich Ihnen für eine Garantie? Was schlagen Sie denn vor?
22:41
Ich mache alles, was Sie wollen, damit Sie beruhigt sind. Ja, das weiß ich doch nicht. Haben Sie irgendein Beweismaterial für Cezannes Schuld, das Sie mir gegen das Geld ausliefern könnten? Ein Brief vielleicht oder irgendein anderes Beweisstück?
22:55
Nein, nein, ich habe überhaupt nichts Schriftliches.
22:57
Naja, oder jemand, dem Sie von der Sache erzählt haben. Damit er mir die Tour vermasselt und selber mit der Geschichte Geld macht. Bin noch nicht von gestern. Oder hat Susanne jemand gestanden, das... Die kann sich beherrschen. Dann wäre sie ein Teufelsküche gekommen.
23:09
Danke für die Auskünfte.
23:12
Das vermindert natürlich den Preis. Wie Sie meinen?
23:19
Ach so. Hut ab, Herr Kommissar. Sie haben mich reingelegt.
23:26
Ich hab nichts in Händen, gut. Aber einen hübschen Skandal kann ich trotzdem lancieren. Und wenn ich dabei ins Gefängnis wandere, aber Sie, Kommissar, Sie sind dann auch ruiniert und irgendetwas bleibt immer hängen und Ihre Karriere ist futsch. Susanne ist in der feinen Gesellschaft unten durch und bekommt keinen Fuß mehr auf den Boden. Keine sehr schönen Aussichten, was?
23:44
Also, was schlagen Sie vor?
23:47
280. Letztes Angebot.
23:51
Hören Sie, mein Junge...
23:54
Ich muss wissen, wie lange sie uns noch schaden können. Totschlag verjährt nach zehn Jahren. Wann sterbt Leroy?
24:03
Nächste Woche werden es zwei Jahre, dass er tot ist.
24:05
Also noch acht Jahre Zeit, uns zu erpressen. Gut, ich werde zahlen. Und zwar folgendermaßen. Erstes Drittel der Summe jetzt, zweites Drittel in vier Jahren und den Rest am Tag der Verjährung.
24:15
Nein, das ist mir zu unsicher. Erstens die Abwertung des Geldes. Und dann ist mein Beruf ziemlich riskant. Wer weiß denn, ob ich in ein paar Jahren noch lebe? Nein, nein, nein, nein. Was ich brauche, ist eine große Summe am Anfang und dann so eine Art Jahresrente, die ich mir jeden ersten Januar abholen kann. Sowieso besser, wenn ich sie noch ein bisschen im Auge behalte. Wie viel wollen Sie sofort? 200.000. Und dann jedes Jahr 10.000 für die laufenden Lebenskosten.
24:49
Einverstanden.
24:51
Ja, und wann kann ich die 200.000 haben? Sofort, ich schreibe Ihnen einen Scheck aus.
24:56
Oh, nein, nein, nein, das kommt nicht in Frage, ich will Bargeld. Dann muss ich erst auf die Bank. In Tausendernoten und keine Tricks mit den Geldscheinen, bitte. Aber das ist ja logisch, Sie haben ja schließlich kein Interesse daran, dass man sie mir wieder abnimmt, wa?
25:06
Klar. Wo treffen wir uns?
25:07
Hier. Wann?
25:09
Heute Abend um zehn. Und Susanne wird mir das Geld geben. Nicht Sie. Sie können inzwischen einen kleinen Spaziergang machen. Falls Sie mir also eine Falle stellen sollten, dann sitzt Susanne mit drin. Gut. Susanne wird Sie um zehn Uhr warten mit dem Geld. Ausgezeichnet. Ich werde pünktlich sein. Und wenn alles klappt, dann bekommen Sie mich nicht mehr zu sehen. Außer, wenn ich mir meine Jahresrente hole, die netter Verwandter.
25:33
Meine Verehrung, Herr Kommissar, und herzliche Empfehlung an die Frau Gemahlin.
25:39
Jetzt hauen Sie doch schon ab. Susanne?
25:46
Olivier! Oh, 280.000. Das ist eine Katastrophe.
25:53
Ach, du hast hinter der Tür gehorcht? Ja. Siehst du, du bist mehr als eine Viertelmillion wert.
25:58
Oh, es war grauenhaft.
26:01
Ja, er hat uns in der Hand, weil wir den Skandal fürchten. Mit Recht übrigens. Ich könnte meinen Beruf an den Nagel hängen und du, du würdest die Aufregung nicht durchhalten. Eine verfluchte Situation. Und jedes Jahr kommt er wieder, sich das Geld holen. Und immer wieder fällt ihm was Neues ein, womit er uns Angst machen kann.
26:21
Ich habe von der Verjährung gesprochen, als ob die uns erlösen würde. Aber das stimmt nicht. Es wird noch schlimmer werden. Denn dann muss er keine Angst mehr haben, dass er ins Gefängnis kommt, während wir noch genauso zittern vor dem bloßen Skandal. Und dann wird er die Daumenschrauben immer fester anziehen. Wir dürfen uns keine Illusionen machen. Ein Erpresser lässt nie mehr ab von seinem Opfer.
26:40
Alles meine Schuld. Das ist ein Albtraum.
26:43
Nein. Er hat mir gezeigt, dass du mich liebst. Und deine Liebe wird mir den Mut geben... Wozu?
26:52
wenn man mir je vorausgesagt hätte, dass ich eines Tages so weit sein würde. Hör zu, Susan.
27:02
Ja?
27:05
Wir haben nur eine Möglichkeit, aus der Erpressung rauszukommen. Wir müssen den Erpresser beseitigen. Was? Entweder der Mann ruiniert uns allmählich oder wir töten ihn heute Abend.
27:19
Das wäre ja Mord. Und die Polizei.
27:23
Und du bist selber... Polizeikommissar, ja. Jetzt kann ich meine Erfahrungen ausnutzen. Es ist eine Kleinigkeit für mich, heute Abend ein perfektes Verbrechen zu inszenieren. Einen perfekten Mord? Der nie aufgedeckt wird. Ja. Du? Du willst... Ja. Weil ich dich liebe. Wir brauchen nur einen Revolver und aus dem...
27:49
Nur einen einzigen Schuss.
28:46
Ach, Gott sei Dank, dass du da bist. Du hast ja Stunden gebraucht.
28:49
Ja, ich musste auf der Bank so lange warten und dann nahm das Geld zählen kein Ende. 200.000 in 1.000-Frank-Scheinen.
28:54
Wieso hast du es überhaupt geholt? Jetzt, wo wir ihn doch...
28:57
Umbringen? Sei doch nicht naiv. Du kannst dir doch denken, dass uns Patrice dauernd beobachtet, aus Angst, dass ich mir irgendetwas anderes einfallen lasse. Ach so. Auf der Bank war er auch hinter einer Zeitung versteckt und hat sich überzeugt, dass ich mir alles in harmlosen 1.000-Frank-Scheinen geben ließ. So.
29:17
Jetzt wird das Vermögen verstaut. Unangenehmes Gefühl, so viel Geld bei sich zu haben.
29:25
Also, erklär mir jetzt genau, was ich zu tun habe, ja? Wir haben noch ein paar Stunden Zeit und diesmal, also diesmal will ich kein Versager sein.
29:33
Pass auf. Mein Plan ist sehr einfach, sehr logisch und deshalb gut. Es ist zehn, er kommt, du bist allein. Ich habe vorher das Haus verlassen und er hat mich auf der Hauptstraße weggehen sehen.
29:45
Was? Du bleibst nicht bei mir?
29:47
Nein, das ist eine seiner Bedingungen. Er will, dass du ihm das Geld gibst, damit man euch zusammen erwischt, falls ich ihm einen Streich spielen wollte. Oh Gott, mit ihm allein, das... Mut, mein Herz, das ist erst der Anfang. Ich patrouliere also die Straße auf und ab und passe auf, dass uns kein unerwarteter Besucher stört. Das Telefon werde ich übrigens vorher außer Betrieb setzen, damit er von hier aus niemanden erreichen kann. Also geschlossene Gesellschaft. Ich warte also auf der Straße, bis alles vorbei ist.
30:14
Ja, was soll denn vorbei sein?
30:17
Sei tapfer, mein Liebling. Du wirst ihn erschießen.
30:27
Oh nein. Nein, nein.
30:28
Geh zu, Susanne. Ich tue alles für dich, aber das musst du auf dich nehmen.
30:32
Oh, bitte. Bitte versteck dich hier und erschieß du ihn.
30:36
Das kann ich nicht. Er wird Verdacht schöpfen, wenn er mich nicht weggehen sieht. Und dann wird er gar nicht kommen. Er muss mich aus dem Haus gehen sehen.
30:43
Oh, ich habe es verdient.
30:45
Hör zu, das soll keine Bestrafung für dich sein, es ist nur die einzig mögliche Lösung. Mein Plan klappt nur, wenn du es tust, sonst nicht. Ich verstehe. Wenn ich plötzlich auftauche, während du ihm das Geld gibst, er ist todsicher bewaffnet, dann riskieren wir, dass er den Kopf verliert und auf dich schießt. Ja, bestimmt. Mit dir allein dagegen fühlt er sich sicher und die Sicherheit wird sein Verderben, verstehst du?
31:05
Ja, ich begreife.
31:08
Gut. Also, er kommt herein. Ich bin allein. Was sage ich denn zu ihm?
31:15
Da, sie. Das ist der Revolver meiner verstorbenen Mutter. Sie hat ihn vor Jahren von einer Reise mitgebracht, ich glaube, in Indien gekauft, weil er so hübsch ist, mit dem Perlmutt beschlagt. Sie hat ihn nie benutzt und die Polizei würde niemals nach diesem Spielzeug-Revolverchen suchen. Kein Mensch weiß übrigens, dass ich ihn besitze. Er ist sehr klein, siehst du. Er geht bequem in deine Rocktasche. Steck ihn ein.
31:36
Ja.
31:38
Na bitte, nichts zu entdecken. Jetzt kommt es nur darauf an, dass du dich dicht neben ihn setzt, ja? Dann kannst du ihm mit Leichtigkeit auf die Brust zielen. Also, er kommt. Pass auf. Guten Abend. Na, sag doch, guten Abend.
31:55
Guten Abend. Da ist das Geld, du Lump, und jetzt lass dich nie mehr bei uns sehen, sonst wird mein Mann dich... Nein, nein, nein, das ist doch ganz falsch. Warum denn?
32:05
Wenn du ihm das Geld gibst oder auch nur zeigst, dann reißt er es doch sofort an sich und verschwindet. Glaubst du, ich kann ihm draußen hinterherlaufen, ihm die 200.000 abnehmen und ihn dann ins Meer stoßen? Natürlich, natürlich. Du musst es also fertigbringen, dass er zu reden anfängt, sich auf die Couch setzt, ihm ein Glas Whisky anbieten und so weiter und so weiter. Warte mal.
32:27
Was machst du denn mit der Wolldecke?
32:29
Falls es Blutflecken gibt.
32:30
Blut?
32:32
Nein, nein, ich kann es nicht.
32:35
Hör mal, bei deinem ersten Mann hast du dich nicht so angestellt.
32:37
Olivier!
32:38
Verzeih, verzeih mir. Ich bin ziemlich am Ende mit den Nerven.
32:45
Also, ich habe die Suppe eingebrockt, ich muss sie auslöffeln. Es ist gut, Olivier, ich tue es. Also, ich biete den Platz an, führe ihn zum Sofa.
32:55
Dann wickelst du ihn ein mit Charme und Nettigkeit. Am besten, du bringst ihn dazu, dass er dich umarmt. So...
33:02
Und wenn er dich küsst, dann nimmst du mit diesem Arm den Revolver aus der Tasche, zielst auf sein Herz und erledigt. Er sinkt zurück auf die Couch und sobald ich den Schuss gehört habe, komme ich sofort herein. Dann ist deine Arbeit zu Ende und meine beginnt. Hast du begriffen?
33:19
Vollkommen. Und was machst du mit der Leiche?
33:25
Ich nehme sie aufs Boot. Wie?
33:26
Wie?
33:27
trage ihn auf unser Motorboot und falle los. Auf offener See ziehe ich ihm alles aus, gieße Benzin über die Sachen und verbrenne sie. Dann beschwere ich den Körper mit dem ausrangierten Dieselmotor, den wir noch in der Kabine haben, und werfe ihn damit überbaut. Dann hat er alle Chancen, von den Fischen gefressen zu werden, oder er wird mit der Strömung fortgespült. Und selbst wenn er an irgendeinem Strand angeschwemmt werden sollte, wer kann ihn dann identifizieren? Bevor ich ihn ins Wasser werfe, brenne ich ihm noch mit einer Zigarette sämtliche Fingerkuppen ab, damit man die Fingerabdrücke nicht mehr nehmen kann. Kommt noch dazu, dass er mit falschem Pass nach Frankreich eingereist ist und sich mit niemandem in Verbindung gesetzt hat.
34:02
Also ein Fall, hinter den die Polizei nie kommen kann. Rubrik unaufgeklärte Verbrechen. Wie ich da sagte, wir planen den perfekten Mord, vollenden ihn mit einem einzigen Schuss.
34:18
Aber man sagt doch immer, es gibt kein vollkommenes Verbrechen.
34:21
Ein Märchen für Dilettanten. Wir propagieren diesen Slogan, damit die einfachen Seelen an die Macht der Gerechtigkeit glauben. Wie viele unaufgeklärte Fälle habe ich allein in meiner Praxis erlebt. Davon ist natürlich keine Rede in den Statistiken.
34:34
Du musst es ja wissen, du bist klüger als ich. Du, hoffentlich hat er nirgendwo unseren Namen und unsere Adresse hinterlassen.
34:41
Oh nein, das hat er mir ja selber eingestanden. Er wollte unter keinen Umständen ein Mitwisser haben für sein sauberes Geschäft.
34:47
Ich habe übrigens sein Hotel angerufen, wie du mir gesagt hast.
34:49
Ach ja, und?
34:50
Ja, der Hotelier hat mir gesagt, er habe seine Rechnung bezahlt und sei abgereist, ohne anzugeben, wohin.
34:55
Genau, was ich erwartet habe. Und jetzt liegt er todsicher auf der Lauer in unserer unmittelbaren Nähe, um rauszukriegen, was wir tun.
35:04
Ich wette sogar... Na bitte? Die Telefonleitung ist unterbrochen.
35:11
Oh.
35:13
Natürlich, er ist nicht dumm, der kleine Mistkerl. Ich an seiner Stelle hätte dasselbe getan.
35:17
Ja, und glaubst du nicht, dass er Verdacht schöpft?
35:18
Ausgeschlossen. Er hätte vielleicht angenommen, dass wir nicht zahlen oder die Polizei anrufen, aber dass wir ihn ermorden wollen, das geht über seine Fantasie. Ich, der ehrbare Polizeikommissar, sollte so etwas vorhaben? Unvorstellbar.
35:34
Ja, das ist es auch.
35:36
Was?
35:37
Deine Handlungsweise. Unvorstellbar.
35:40
Wie meinst du?
35:41
Wenn du mich nur auf die Probe stellst. Wenn du dich fragen würdest, hat sie sich gebessert oder ist sie immer noch die kleine Kanalie, die sie war? Machen wir einen Versuch. Ich drücke ihr einen Revolver in die Hand und sage, schieß. Wenn sie nicht schießt, ist sie anständig. Dann ruft man die Polizei an, lässt die ganze Sache untersuchen, in einem Wiederaufnahmeverfahren und sie wird freigesprochen. Alles in Ordnung. Wenn sie aber schießt auf ihren früheren Liebhaber, dann ist sie dasselbe Flittchen wie früher. Man zeigt sie an und ab mit ihr ins Gefängnis. Du bist sie jedenfalls los.
36:10
Ach, du bist verrückt. Du weißt genau, dass ich es aus Liebe tue, Susanne.
36:13
Für dich. Umso schlimmer.
36:15
Nach dem Mord werden wir Komplizen sein. Unzertrennlich verbunden. Du hast mich für immer in der Hand. Kein Grund mehr zur Eifersucht, nicht wahr?
36:23
Cäsar, die Tat ist noch nicht geschehen. Und schon verdächtigen wir einander und kränken uns. Sag doch gleich, dass du es nicht tun willst, weil du ihn geliebt hast.
36:33
Nein, nein, nein.
36:35
Mach, was du willst, Cäsar. Ich will nicht, dass du mir später vorwirfst, ich hätte dich in etwas hineingetrieben. Was soll ich machen?
36:42
Entweder ich zahle für mein erstes Verbrechen oder ich begehe ein zweites.
36:46
Und ich, Suzanne, ich versuche alles, um dich zu retten, und du denkst, ich tue es aus einer grauenhaften Berechnung heraus. Das habe ich nicht vorausgesehen.
36:57
Alles, aber das nicht... Oh, Liebling, verzeih mir, ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Verstand steht.
37:04
Im Vertrauen gesagt ich auch nicht.
37:08
Ja, und während du, während du mit ihm aufs Meer fährst, was mache ich dann?
37:14
Nichts, du bleibst zu Hause und wenn jemand vorbeikommen sollte, sagst du, ich sei fischen gegangen. Das weiß ja jeder, dass das mein Hobby ist.
37:19
Ja, aber wenn zum Beispiel unsere grässliche Putzfrau noch kommt, weil sie mich irgendwas fragen will, was soll ich dann?
37:23
Du redest mit ihr, ganz natürlich, wie immer. Du sagst, mein Mann ist immer noch beim Fischen auf dem Meer draußen und jetzt muss er jeden Augenblick heimkommen und gehst in die Küche und fängst an, Abendessen zu kochen.
37:34
Also ich werde ihn töten und danach wird das Leben weitergehen, als ob nichts geschehen wäre.
37:39
Ja, und merkt er eines. Selbst wenn Nachforschungen gemacht werden, selbst wenn sie bis zu uns vordringen würden, wir leugnen alles ab. Wir kennen keinen Patrice, wir haben ihn nie gesehen, er ist nie hierher gekommen. Kein Mensch hat ihn hier getroffen, es gibt keinen Schatten eines Beweises gegen uns. Und was ich sage, wird nicht angezweifelt werden. Das Ehrenwort eines Mannes, der ein untadeliges Leben geführt hat, hat Gewicht.
38:09
Ja, wir haben noch ein paar Stunden Zeit, mein Liebling. Leck dich doch noch ein bisschen hin.
38:15
Werden wir es schaffen, Olivia.
38:17
Sehr ganz ruhig. Es wird kein Sandkorn ins Getriebe kommen.
38:55
Liebling, es ist bald zehn. Wie fühlst du dich?
38:59
Ganz gut. Ich bin ruhig. Du kannst dich auf mich verlassen. Obwohl das nicht sehr glaubhaft ist nach allem, nicht?
39:06
Willst du still sein? Ich liebe dich. Ich dich auch. Das ist der Revolver. Sei vorsichtig, er ist geladen und entsichert. Nimm.
39:15
Also, ich muss nur abdrücken?
39:17
Ja. Steck ihn tief in die Rocktasche. Gut. Ich werde jetzt ostentativ das Haus verlassen, damit er mich weggehen sieht. Du wirst ihn sehr nett empfangen.
39:25
Kann ich ein Whisky haben?
39:26
Natürlich. Aber nicht zu viel trinken. Du musst deinen klaren Kopf behalten.
39:31
Ja.
39:31
Und zeig ihm ja nicht sofort das Geld. Halt ihn möglichst lang hin.
39:34
Ich weiß. Das Wichtigste ist, dass er sich neben mich setzt, damit ich ihn nicht verfehle.
39:42
Er wird versuchen, mich zu küssen. Umso besser. Liebling, vergiss nicht, wen wir vor uns haben. Einen Erpresser. Eine miserable kleine Giftschlange, die uns zugrunde richten will, koste es, was es wollte.
39:53
Ich komme mir vor wie in einem verrückten Traum. Ich sehe mich und ich bin es gar nicht. Das ist eine Doppelgängerin von mir, die da sitzt.
40:01
Und einen Revolver in der Tasche hat.
40:03
Aber sei hellwach, wenn du es tust, Susanne. Ein Fehler kann dir 20 Jahre Zucht ausbringen. 20, ja. Ich sage dir das nur, damit du dich wirklich zusammennimmst. Aber sei ruhig, mein Liebling. Es wird nie dazu kommen. Unser Plan ist perfekt.
40:15
Wie viel Uhr ist es?
40:16
Drei Minuten vor zehn. Ich gehe jetzt.
40:18
Gib mir einen Kuss.
40:21
Pass auf, man fühlt den Revolver. Versteck ihn besser.
40:24
Also, bis gleich.
40:25
Zieh die Vorhänge zu, das gibt ihm Sicherheit. Spiel das Spiel und zeig ihm das Geld nicht.
40:48
200.000.
40:53
Guten Abend, meine süße Polizistenfrau.
40:57
Schau mal.
40:59
Dein Mann ist weg, wie wir abgemacht haben. Also krieg ich die Moneten. Wo sind sie? Vorwärts. Du, läuft das Tonband.
41:05
Das genügt, mein Schatz. Die Masche kannst du dir sparen. Olivia hat das Bandgerät ausgeschmissen, die Pandül ist leer.
41:12
Tatsächlich? Schluss mit der großen Nummer? Schluss. Höchste Zeit, mein Pöppchen, die Erpressatur stinkt mir langsam.
41:18
Ich werde dir unseren Plan erklären. Nimmst du einen Whisky?
41:20
Ja, aber klar.
41:21
Moment, ich mache nur die Vorhänge zu, falls er von draußen reinschaut.
41:25
200.000 Menschen, das ist ja ein Ding. Der hat den ganzen Zaster losgemacht. Ich werde nicht wieder. Du warst immer schon klasse, Susi, aber das ist dein Meisterstück.
41:35
Du warst auch sehr gut. Deine zwei großen Szenen, prima.
41:38
Die hast du mir aber auch gut eingetrichtert. Ich habe nichts weggelassen, was? Kein falscher Text. Ihre Frau Susanne hat ihren ersten Mann umgebracht. Ich brauche eine große Summe und so weiter und so fort. Dabei ist der arme Vincent Leroy friedlich an Tuberkulose gestorben.
41:53
Mensch, das ganze Geld rein in die Taschen.
41:57
Du, wie hat er denn reagiert, dann Othello, als er das Tonband abgehört hat?
42:00
Na, der ist geschmolzen wie Butter an der Sonne. Das reinste Liebesmelodram, sag ich dir.
42:05
Komisch. War doch eine ziemlich ausgefallene Idee, was? Wenn man sich denkt, ein Polyp, der das alles schluckt, wenn er sich nur ein bisschen überlegt...
42:14
Bei Verliebten ist der Verstand im Eimer. Er hat es geschluckt und es hat ihm sogar Spaß gemacht.
42:19
Die Hauptsache, er hat die Moneten von der Bank geholt. Unser Zweck ist erreicht. Direkt genial. Für einen Viertelstunden-Sketch am Mikrofon 200.000 Fr. Das ist der Tarif von Brigitte Bardot. Also, das Geld hätten wir.
42:29
Was ist los? Hauen wir ab. Wir haben Zeit. Olivier kommt erst, wenn ich ihm ein Zeichen gebe. Übrigens habe ich meine Pläne geändert. Pass auf.
42:36
Alles klar. Also mach, was du willst, ich habe volles Vertrauen zu dir. Du hast da ein Ding gedreht, also das ist wirklich einmalig. Vom ersten Tag an ist es gelaufen, wie du wolltest. Du machst einen reichen Mann aus, finde ich, buchst auf demselben Schiff wie er eine Kreuzfahrt, kriegst ihn dazu, dass er dich express heiratet und machst ihn auch noch eifersüchtig. Na klar.
42:52
Klar, das war ja das Wichtigste. Er musste doch misstrauisch werden, damit er mich beobachten ließ. Also, schließlich installiert er das Tonbad. Unser erstes Ziel ist erreicht. Arme Susanne, sie hat ihren ersten Mann aus Versehen totgeschlagen. Aber welch ein Liebesbekenntnis zu Olivier. Dann will er sein Liebesfrauchen beschützen und rückt mit dem Zaster raus. Zweites Ziel, okay.
43:13
Also auf sein spezielles Wohl. Na was los, trinkst du nichts?
43:16
Ich kann nicht, ich hab schon zu viel. Was denkst du, wie mir der Magen brennt? Ich habe einen ausgestanden im Spital.
43:22
Oh je, ging es dir sehr schlecht, mein Schätzchen?
43:24
Na stell dir vor, ich musste doch Olivier beibringen, dass ich am Verzweifeln war, also versuche ich mich umzubringen. Natürlich habe ich zwei Drittel von den Tabletten in die Toilette geworfen, aber den Rest musste ich schon schlucken.
43:34
Du bist schon toll, sowas von Courage.
43:37
Tja, gelernt ist gelernt.
43:41
Am schönsten war, wie er von hier aus die Polizeiwerkstatt in Paris angerufen hat. Sie sollten das Tonbandgerät in die Pendule einbauen. Und ich stand hinter der Tür und horchte. So, also das Geld hätte ich eingesteckt. Was los, ziehen wir Leine? Hast du keine Ohren? Ich habe doch gesagt, ich habe meine Pläne geändert. Steht noch ein bisschen mehr auf dem Programm.
44:01
Was denn, was denn? Kannst du deinen Hals nicht vollkriegen? Und du? Reicht's dir denn etwa? Na klar.
44:05
Bloße 200.000? Also hör mal, das ist ja schließlich... Mensch, bist du kleinkariert. Glaubst du, ich geb mich mit lumpigen 200.000 zufrieden, wo ich sein ganzes Vermögen haben kann?
44:14
Wieso denn? Das haben wir doch.
44:15
Ach Gott, hast du ne Ahnung. Er hat noch ein dickes Paket Aktien vom Vater, ein schickes Haus in Paris, ein Bungalow von seiner Mutter an der Côte d'Azur. Deine Informationen waren nicht vollständig, mein Lieber.
44:24
Ja und? Wie wollen wir ihm denn das abstauben?
44:29
Ich habe noch eine weitere Überraschung für dich.
44:32
Guck mal.
44:35
Hübsches Spielzeug, was?
44:37
Niedlich. Schießt der wirklich? Na und ob. Mütterchens Revolver. Kleines Erbstück. Olivier hat ihn mir gegeben. Ein Revolver? Wozu denn? Um dich zu erschießen. Was? Tja.
44:49
um den bösen Erpresser zu erledigen.
44:51
Also, das ist ja... Oliviers Idee. Aber wieso denn?
44:56
Ein Erpresser hört nie auf zu erpressen, hat er gesagt. Und weil er mir weitere Schwierigkeiten ersparen wollte, hat der wackere Olivier eine geniale Endlösung gefunden. Eine Kugel ins Herz und er wirft dich vom Boot aus den Fischen vor. Wir kennen ihn nicht, wir haben ihn nie gesehen, keiner kann uns was beweisen. Also, ein garantiert sicherer Mord. Was sagst du dazu?
45:16
Da sieht man, was die Liebe aus den Leuten macht. Nicht einmal auf einen Polizisten kann man sich verlassen.
45:22
Tja, es gibt keine Moral mehr.
45:24
So ein Schweinehund, mir ist ganz schlecht. Beruhige dich.
45:28
Denn damit kämen wir zum dritten Punkt meines Programms. Olivier hat mir genau gesagt, wie man ein perfektes Verbrechen begeht. Gut, wir werden es an ihm ausprobieren. Er muss weg, okay?
45:40
Ausgezeichnet, das geschieht ihm recht. Fein, dass du das sagst. Du wirst ihn nämlich töten. Ich werde ihn...
45:45
Was?
45:46
Du bist mir aber eine Susi.
45:50
Na klar, wer denn sonst? Soll ich dir vielleicht dauernd die Kastanien aus dem Feuer holen?
45:54
Ja, aber da willst du einfach einen Mörder aus mir machen? Tja, und also? Ja, aber bis jetzt haben wir uns doch immer mit Gaunereien zufrieden gegeben. Ach!
46:05
Denkst du vielleicht, ich lasse dich abhauen mit den 200.000? Ich kann ja nicht weg, sonst würde er sofort auf den Trichter kommen, mich durch die ganze Welt verfolgen lassen. Ich soll also mit dem eifersüchtigen Kerl friedlich weiterleben, ja? Der mich mit meinem Pseudo-Verbrechen unter der Fuchtel hält. Kommt doch nicht in Frage. Ich will meine Freiheit und sein Vermögen. Und das ein bisschen plötzlich, mein Kleiner. Ich habe keine Lust mehr zu machen.
46:24
Aber ein Mord? Nein, wirklich, Susi, das ist kein Spaß. Ein Mord ist ein Mord. Verflucht nochmal, Susi.
46:34
Du musst es doch verstehen. So was kann ich einfach nicht. Verlang von mir, was du willst, aber bitte keinen Mord. Du enttäuschst mich, Patrice. Ja, also das ist mir in diesem Fall egal. Ich bin kein Mörder und ich bring keinen Menschen, und basta. Susi, trinkst du nicht vielleicht doch ein Glas mit mir? Was ist denn? Warum sagst du denn nichts?
46:59
Ich bin am Überlegen.
47:01
Das ist gut. Denk dir was aus. Du bist ja eine Frau mit Ideen. Dir wird schon was anderes einfallen, gell?
47:10
Ja, es gibt eine andere Lösung. Sogar noch vorteilhafter für mich. Ach ja, wirklich? Ich könnte das Verbrechen, das ursprünglich geplant war, durchführen und dann Olivier noch dazu erledigen. Zwei Fliegen mit einem Schlag.
47:27
Ja, Susi, was soll das heißen?
47:31
Das heißt, mein Häschen, wer nicht hundertprozentig für mich ist, ist gegen mich. Ein schlechter Mitarbeiter ist nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich. Und deshalb wirst du sterben.
47:44
Bist du verrückt?
47:46
Tut den Revolver weg.
47:47
Aber du kennst mich doch. Ich bin Realistin. Mit einem Schlag zwei unbequeme Leute loswerden. Meinen Mann und meinen Gigolo. Das ist ein Traum. Ciao, mein kleiner Versager. Ein Festessen für die Fische. Na? Na?
48:13
Ist das passiert?
48:15
Ich habe geschossen.
48:18
Oh Gott. Es ist grauenhaft. Grauenhaft.
48:25
Er ist tot. Du hast gut gezielt.
48:30
Olivier.
48:31
Meine Suzanne. Jetzt gehörst du mir. Du hast geschossen.
48:37
Ja. Jetzt bin ich dein Eigentum.
48:41
Deine Komplizin, deine Sklavin, nicht wahr?
48:43
Jetzt bin ich sicher, dass du mich nie mehr verlässt.
48:47
Weil ich ja gezwungen bin, bei dir zu bleiben. Das willst du doch sagen, ne?
48:51
Aber du liebst mich doch, Cézanne. Ich hab den Beweis dafür.
48:54
Wirklich?
48:55
Du hast es gesagt, du hast es unter Tränen geschrien. Es ist auf dem Tonband festgehalten.
49:02
Hahaha.
49:07
Wenn ich gewusst hätte, dass alles, was ich sage, aufgenommen wird von diesem lächerlichen Gerät in der Pendule. Wenn ich gewusst hätte, dass du mir nachspionierst, wenn ich da die Gespräche mit Monsieur Edouard hinter der Tür mit angehört hätte. Was da?
49:19
Mit Edouard?
49:20
Aber ja! Und wenn Patrice und ich zusammengearbeitet hätten... und die ganze Geschichte von der Tötung meines teuren Gatten erlogen wäre? Und wenn dein perfektes Verbrechen auf dich selber zurückfiele? Wo bleibt denn da das Sandkorn, das ins Getriebe kommen kann? Und wo hast du deinen berühmten Riecher gelassen, du brillanter Krimi-Daist?
49:41
Und wenn ich heute Nachmittag in Wann vom Gärtner erfahren hätte...
49:46
dass du dort niemals nach einer Hilfskraft für unseren Garten gefragt hast? Und wenn ich dann sofort nach Paris telefoniert hätte und einen Kollegen von der Kripo gebeten, ein paar Nachforschungen über den Tod eines ersten Mannes anzustellen und mir zurücktelefoniert wird, dass er an Tuberkulose gestorben sei? Dann wäre mir doch klar geworden, dass du vom Bandgerät in der Pendelur wissen musstest und dass deine große Szene mit Patrice ein abgekartetes Spiel war, nicht wahr?
50:17
Und dass du es leider nur auf mein Geld abgesehen hast.
50:22
Und wenn ich infolge dieser bedauerlichen Tatsache meinen Verstand wiedergefunden hätte, den ich aus Liebe zu dir verloren hatte, und wenn ich mir nun meinerseits etwas hätte einfallen lassen, um dich loszuwerden, ein unfehlbares Mittel, Madame, ohne Sandkorn im Getriebe. Bis jetzt konnte dir nichts passieren, denn du hattest dir in Wirklichkeit nichts angestellt, außer dem Betrug an mir. Und ich hätte dich nicht angezeigt, das weißt du genau. Aber jetzt, nach diesem Mord, wirst du verurteilt werden.
50:52
Lebenslänglich.
50:53
Dazu wird es nicht kommen, Olivier. Dank diesem hübschen Spielzeugrevolver.
50:58
Susan.
50:59
Rühr dich nicht vom Platz. Du weißt, dass ich keine Hemmungen habe, abzudrücken. Du hast mir dein perfektes Verbrechen wunderbar erklärt. Mit allen Details. Es wird auch durchgeführt. Genau wie du gesagt hast. Nur mit einer kleinen Änderung. Mit einem zweiten Schuss für dich. Dann werde ich euch beide aufs Schiff bringen, hinausfahren und auf offener See. Aber du kennst ja den Plan. Ich werde ihn exakt ausführen. Verlass dich drauf. Nur im Doppel sozusagen. Mit dem alten Dieselmotor geht ihr beide über Bord.
51:30
Und dann sagen euch unten die Fische guten Tag. Ich gehe zurück und warte auf meinen teuren Garten. Ja, mein Mann ist zum Fischen gefahren. Ich weiß gar nicht, was los ist. Hoffentlich kommt er bald zurück. Ich warte also ein paar Stunden, sogar ein paar Tage. Ich habe das Essen für dich bereit, das Bett aufgeschlagen. Dann werde ich die Polizei benachrichtigen. Man wird dich suchen, irgendwo das Boot finden, das ich natürlich in der Nacht abtreiben ließ. Und ach, der arme Kommissar Lenoir muss über Bord gestürzt sein, als er einen großen Fisch an der Angel hatte. Ich bin verzweifelt und werde dir eine würdige Witwe sein.
52:04
reich und frei. Ein eifersüchtiger Mann mit moralinsaueren Ansichten wäre mir nämlich äußerst lästig, mein Schatz.
52:11
Susan, ich könnte dir immer noch nützlich sein. Ich könnte deine Verteidigung übernehmen, auf Notwehr prädieren.
52:25
Nicht von dir, aber ich brauche niemanden.
52:26
Es gibt kein perfektes Verbrechen, Susan. Man macht immer einen Fehler.
52:31
Dein Sandkorn!
52:33
Ich habe keine Angst davor. Ihr Idioten. Ihr Idioten. Ihr habt mich beide behandelt, wie wenn ich euer Eigentum wäre. Aber ich lasse mich nicht tyrannisieren.
53:01
Jetzt bin ich frei. Frei! Ich muss aufmachen. Was mache ich jetzt? Die spanische Wand.
53:37
Nein, ist alles gut versteckt. Und jetzt noch den Lichtschalter.
53:44
So. Im Halbdunkel sieht man nichts.
53:52
Ja, bitte. Was wollen Sie bitte?
53:56
Ja, Madame, entschuldigen Sie vielmals, dass ich so spät noch störe.
54:01
Ach.
54:02
Sie sind es. Mit wem habe ich das Vergnügen?
54:07
Kommen Sie rein.
54:09
Sie kennen mich wohl nicht, Madame, nicht wahr? Nein. Ich hätte gern Ihren Garten gesprochen. Nur fünf Minuten, wenn Sie gestatten.
54:19
Ja, das tut mir leid. Mein Mann ist nicht da. Er ist auf dem Meer beim Fischen. Es kann bis morgen früh dauern und ich wollte gerade schlafen gehen.
54:28
Das ist unangenehm.
54:30
Ihr Gatter hatte mir eine Nachricht hinterlassen in meinem Hotel. Ach so? Ja, ich habe schon mehrmals versucht zu telefonieren, aber Ihre Leitung muss wohl gestört sein. Ich bekam keinen Anschluss.
54:38
Ach, tatsächlich?
54:39
Ja, also das ist so. Ich wollte heute Abend nach Paris fahren und hatte schon das Taxi zum Bahnhof bestellt. Ja, ja, ja. Wissen Sie, ich habe für Monsieur Lenoir gearbeitet. Das heißt, er hatte mir einige Schreibarbeiten übergeben und...
54:55
Das ist dumm, dass er nicht da ist. In 40 Minuten fährt mein letzter Zug. Ich muss jetzt wirklich nach Paris zurück.
55:02
Herr Monsieur, ich verstehe leider überhaupt nicht, was Sie wollen.
55:05
Ja, natürlich, ja. Ich habe mich wohl etwas unklar ausgedrückt. Verzeihen Sie sonst gar nicht meine Art. Ja... Ja, also kurz und gut.
55:13
Heute Morgen war Ihr Mann so freundlich, mir das restliche Honorar für meine Arbeiten auszuhändigen. Er gab mir einen Scheck und ich habe ihn eingesteckt, ohne ihn durchzulesen. Ich wollte ihn gleich nach meiner Ankunft in Paris einlösen. Ja, ich... Ja, und jetzt hat Herr Lenoir mir ausrichten lassen, dass er sich im Datum geirrt hat. Sehen Sie mal hier, er hat aus Versehen geschrieben, hier 28. Juni. Dabei haben wir doch erst den 28. Mai. Ich müsste also einen ganzen Monat warten, bis der Scheck ausgezahlt wird.
55:47
Ach so. Sie verstehen das.
55:49
Ja, nein, nein, das ist ja gar nicht so schlimm, Monsieur, es ist wirklich nur ein kleines Sandkopf, ein ganz kleines Versehen. Sie brauchen keine Angst zu haben, Ihren Zug kriegen Sie noch. Ich gebe Ihnen das Geld einfach in bar, ja?
56:00
Oh, das wäre sehr, sehr liebenswürdig von Ihnen.
56:03
Aber seien Sie so gut und erzählen Sie niemandem von unserer kleinen Transaktion, ja?
56:08
Es wäre meinem Mann sehr peinlich, wenn jemand von einem so dummen Versehen erführe. Er ist sonst so korrekt in allem, aber er arbeitet einfach zu viel.
56:16
Ja, das ist ja selbstverständlich, Madame. Diskretion Ehrensache. Also, ich hole Ihnen gleich das Geld.
56:22
Darf ich den Scheck haben?
56:22
Ja, bitte schön.
56:25
Ja. Ach, wollen Sie sich inzwischen auf der Terrasse die Aussicht ansehen? Wir haben einen herrlichen Blick aufs Meer bei Mondschein. Oh ja, sehr gerne, Madame.
56:34
Ich danke Ihnen. Danke sehr, danke sehr.
56:39
Was das gibt. Patrice hat es gemacht. Da ist die hingesteckt. Mein Gott. So dunkel. Wenn man nur was sehen könnte.
57:01
Ich komme doch wohl besser lieber wieder herein, Madame. Es ist ein bisschen kalt draußen. Hallo, Madame. Madame, sind Sie noch da?
57:11
Ja, ja. Erschrecken Sie nicht. Ich war hinter dem Wandschirm am Schreibtisch. Entschuldigen Sie, dass ich kein Licht mache. Wir haben dummerweise Kurzschluss hier in diesem Zimmer. Ich verstehe nichts von Sicherungen. Das macht immer mein Mann, wissen Sie.
57:24
Ja, ja.
57:25
So, ja, da ist Ihr Geld. 300 Fr.
57:27
Ein Schick kann ich jetzt zerreißen, da? Ja, natürlich. Herzlichen Dank, Madame. Ja, und ich bitte Sie noch mal zum Entschuldigung für die nächtliche Ruhestörung. Es war mir äußerst peinlich. Aber das macht doch gar nichts. Darf ich Ihnen vielleicht noch bei den Sicherungen hilflich sein? Ich bin zwar auch nicht gerade sehr geschickt, aber ich werde mein Bestes versuchen.
57:44
Nein, nein, nein, Monsieur.
57:47
Ich werde es schon allein schaffen. Also, auf Wiedersehen. Und beeilen Sie sich, sonst erwischen Sie den Zug nicht mehr. Finden Sie alleine raus?
57:55
Oh ja. Flur brennt das Licht ja noch, nicht wahr? Ja, natürlich, ja. Ja, also nochmals vielen Dank. Und beste Empfehlung an Monsieur Lenoir.
58:03
Ja, ja, ich werde es ausrichten.
58:09
Moment! Moment! Was soll ich was...
58:16
Was ist denn? Wo ist der Lichtschalter?
58:19
Ja, aber was wollen Sie denn?
58:21
Oh, das Licht brennt ja schon wieder. Kurzschluss ist wohl schon repariert. Wo wollen Sie hin? Ich, hinter den Wandschirm, wo Sie eben herkamen. Da muss doch zwei Tote. Das ist Monsieur Lenoir.
58:37
Madame, Madame, Sie haben... Woher haben Sie das gewusst?
58:43
Wie konnten Sie das erraten?
58:45
Ich habe gar nichts gewusst. Ich habe überhaupt nichts erraten. Vor einer halben Minute noch, da hätte ich mir nicht träumen lassen, dass... Ich wollte zum Bahnhof und... Spielen Sie nicht den Trottel, verstanden?
58:55
Ich hatte keine Ahnung. Wie hätte ich mir denn vorstellen können, dass... Das ist ja nicht zu fassen. Sie haben diese beiden Männer getötet. Wieso sind Sie draufgekommen?
59:05
Was habe ich denn falsch gemacht? Was denn? Los! Los, sagen Sie es doch!
59:11
Was war der Fehler?
59:12
Es war doch alles so perfekt. Da sehen Sie sich hier diese Geldscheine an, die Sie mir gegeben haben. Voller Blut. Die haben Sie einem Toten aus der Brusttasche genommen.
59:28
Es gibt also kein perfektes Verbrechen.
59:31
Nein. Anscheinend nicht. Oder wenigstens nicht sehr oft. Also es tut mir leid, Madame, aber jetzt muss ich die Polizei benachrichtigen.
59:40
Dazu werden Sie keine Zeit mehr haben. Was?
59:43
Gottes Willen, legen Sie den Revolver weg.
59:46
Sie wollen mich doch nicht auch noch erschießen. Oh, doch, das will ich Sie, läppischer kleiner Detektiv. Sie werden mir keinen Strich durch die Rechnung machen.
59:53
Nein, nein, nein, nein.
59:57
Was ist denn?
59:58
Kann ich denn nicht mehr zielen?
60:04
Ich lebe.
60:07
Ich bin auch lebendig. Dieses verfluchte Spielzeug. Aber ich habe doch die anderen damit erschossen.
60:13
Sie sind doch tot, oder? Patrice war ja voller Blutes.
60:17
Natürlich ist er tot. Ja, Patrice ist tot.
60:19
Olivier.
60:22
Ja, Susanne. Nur die erste Kugel war echt. Alles andere waren blinde Patronen. Ich hatte dir vorhin noch eine Chance gegeben. Du hast sie nicht genützt.
60:33
Hättest du mich am Leben gelassen, hätte ich dich vielleicht verteidigt vor Gericht. Aber du hast es vorgezogen, mich zu erschießen. Gut. Dann bin ich jetzt der Einzige, der von deinem perfekten Mord profitiert. Du hast deinen Liebhaber umgebracht, weil du ihn loswerden wolltest. Ich habe dich mit meiner Idee vom vollkommenen Verbrechen dazu gebracht, dass du den Mut hattest, zu schießen. Du wirst dafür lebenslänglich ins Zuchthaus kommen. Und ich bin euch beide los.
61:02
Für immer.
61:03
Herr Kommissar. Herr Lenoir.
61:05
Und Sie waren der arme, leidtragende Monsieur Eduard, nicht wahr? Sie haben ganz umsonst so schlimme Todesängste ausgestanden.
61:11
Ja, und alles nur, weil Sie das falsche Datum auf meinen Scheck geschrieben haben. Aus Versehen.
61:17
Aus Versehen? Bedeuere, mein Freund, das war Absicht. Darum habe ich Ihnen auch erst im letzten Moment vom Hotel Bescheid geben lassen.
61:24
Was wollen Sie damit sagen? Ja, ich brauchte doch einen verlässlichen Zeugen. Monsieur Lenoir.
61:29
Ich weiß nicht, was hier alles vorgefallen ist. Aber mir scheint, dass Sie das Recht ein wenig zu sehr in Ihre eigenen Hände genommen haben. Man macht sich selbst mitschuldig, wenn man andere Menschen so raffiniert in eine Schuld hinein manipuliert.
61:45
Mein lieber Edouard, ich wüsste nicht, was die Justiz mir vorzuwerfen hätte. Und was dich betrifft, Cezanne.
61:55
Olivier.
61:58
Ja, Cezanne.
62:01
Und dir rate ich, nimm dir einen sehr guten Verteidiger. Du wirst ihn nötig haben.
62:30
Sie hörten Der zweite Schuss. Ein Kriminalhörspiel nach dem Theaterstück von Robert Thomas. Deutsche Bearbeitung Lilian Westphal.
62:40
Es spielten Olivier Lenoir, Kriminalkommissar, Wolfgang Reichmann, Suzanne, seine Frau, Lilian Westphal, Patrice, Peter Ahrens, Monsieur Edouard, Joachim Thege, ein Bote, Thomas Minzen, Musik, Rolf Graf, Technik, Urs Eckenschweler und Ruth Hüssi, Regie führte Ulrich Studer, Sie hörten eine Koproduktion des Bayerischen Rundfunks und des Radios der Deutschen und Rätoromanischen Schweiz.
63:27
Wolfram, fühlst du dich jetzt besser? Jetzt hast du deinen zweiten, deinen dritten, vierten, fünften Schuss. Das soll übererfüllt.
63:36
Vor allem fühle ich mich gut, dass nicht jeder tödlich war.
63:39
Reicht einer.
63:41
Hat mir aber fast ein bisschen leid, oder?
63:43
Ja, war doch eigentlich ein lustiger, sanfter Typ.
63:46
Eben als er dann vor allem so normal gesprochen hat, so eine kindliche Freude an dem Plan und dass der funktioniert und dass man eigentlich so ein bisschen Theater spielt und sich als Banditen verkleidet. Es wirkte auf einmal alles so nett und fluffig, oder?
63:58
Ja, natürlich. War vollkommen ausgeliefert, diesen bösen Mastermind, Susanne.
64:02
Ja, ein echter Handlanger.
64:05
Jetzt hast du mir wieder laufend Material geliefert für künftige Anmoderationen von Kriminalhörspielen.
64:09
Ah ja, natürlich. Oh ja, mach das mal. Mastermind kannst du gerne sagen, aber vielleicht nicht Main-Killerin.
64:18
Was hat das bedeutet?
64:20
Die Mankillerin.
64:22
Aha, also eine Männermörderin.
64:25
Eine Männermörderin, die wohnt im Bungalow an der Sea. So wie sich halt das Englisch ins Deutsche mischt 1968. Aber komm, ein Hörspiel mit wahnsinnig vielen Wolten. So viele wie Schüsse fast.
64:39
Ja, wirklich. Also wir hatten eben den ersten Teil, haben wir gehört, da war schon die erste wollte drin, dass man Susanne doch schon eine Geschichte davor hatte, dass vielleicht der Kommissar so gerecht hat mit seinem Misstrauen. Die zweite wollte sicherlich, dass wir gemerkt haben, doch der Entführer steckt mit ihr unter einer Decke. Und dann ist aber dann Susanne wiederum ihn verrät.
65:03
Dann den Ehemann ein zweites, drittes Mal verrät. Also überhaupt der ganze Plan vom Kommissar war eigentlich noch überraschend, dass er dann so selber morden möchte oder sie morden lassen möchte. War auch nicht ganz erwartbar. Und am Schluss ist dann doch wieder alles ganz anders. Es ist schon vorher gesagt, doch, doch, ich finde viele, viele gute Wendungen dabei. Und jeder glaubwürdig für mich. Ich bin immer gut mitgegangen.
65:26
Ja, ich fand vor allen Dingen, sie sagt doch dann zu ihm, ja, wenn ich schieße, dann hast du mich quasi in der Hand, dann bin ich dein Opfer, du wirst nie wieder eifersüchtig sein müssen, weil ich bin dir ja ausgeliefert. Und wenn er dann zurückkommt und sie Patrice erschossen hat, das ist wirklich für einen Moment, hast du das Gefühl, ja, das ist einfach ein Kampf. Ein kaltes Arschloch, der genau jetzt das erreicht hat, hat eine Frau in eine Schuld getrieben. Dass es sich dann nachher nochmal so dreht, ist schon cool. Sie sagt, gelernt ist eben gelernt, was sie so sich ausgedacht hat.
65:57
Ich frage mich, wo hat sie das denn gelernt?
65:59
Aha, on the job wahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass es das für eine Ausbildung in Kanovenschule gibt.
66:05
Hat wahrscheinlich einen berühmten Vater. Und der Zufall hat ihr natürlich auch geholfen, dass sie das Geld zusammenkratzen konnte für eine Kreuzfahrt. Dann ausgerechnet an den eifersüchtigsten Polizisten, der auch noch wohlhabend ist, sehr wohlhabend übrigens, geraten ist. Da hat sie wirklich Glück gehabt.
66:26
Dass er sich auch noch in sie verliebt. Das kann man ja jetzt nicht einfach so pauschal sagen, dass ein älterer Mann sich zwangsläufig in die unter 30-Jährigen verliebt.
66:33
Auch wenn es im Hörspiel oft so scheint. Wir kriegen jetzt nur den Fall, der funktioniert hat. Aha, genau. Jetzt hat sich schon fünf andere Versuche gemacht auf der Kreuzfahrt und die haben alle nicht gefruchtet. Oder?
66:42
Das hätte sie uns aber bestimmt erzählt beim Cognac.
66:45
Auch das.
66:48
Auf jeden Fall wieder eine ganze Riege großartiger SchauspielerInnen im Schauspiel, wie auch schon beim letzten Roberto Mario Spiel.
66:57
Bei der Falle.
66:57
Genau. Bewundert, wer da alles wie spielen kann.
67:01
Das stimmt, da spielt ja wirklich jeder mindestens zwei verschiedene Rollen sozusagen, kann man schon sagen, zwei bis drei.
67:07
Außer der gutmütige Privatdetektiv, der ist wirklich nur er.
67:09
Der ist einfach er, genau. Aber der merkt dann wiederum, dass das Geld voller Blut ist.
67:15
Und das Ende, da merkt man halt Diskrepanz Theaterstück und Hörspiel dann doch. Sie muss schon sehr viel beschreiben, wie sie da durchs Dunkel tappt und hinter den Wandschirm geht. Das hättest du natürlich auf der Bühne mit Licht und mit Requisiten wunderbar toll darstellen können.
67:33
Richtung auch noch drüber nachgedacht. Das ist ja eine große Rolle, spielt immer im Hörspiel, wann man was hört, was die anderen sagen und wann nicht. Es gibt natürlich das ganz offensichtliche Werkzeug des Bandgeräts, des Magnetophons da, um sie... Magnetophon... Frankreich, französisches Hörspiel, du...
67:56
um sie zu beschatten, wirklich auch aufzunehmen. Aber auch sonst kommt immer wieder mal vor, ich habe schon die ganze Zeit gehört, die reden immer so frei, Schnauze und erklären ihre ganzen Pläne. Ja, ja.
68:28
Und oft geht es gut, dass sie es nicht hören und dann gibt es doch Stämme, die sagen, doch, ich habe das alles schon gehört. Und das wiederum könnte ich mir jetzt auf einer Theaterbühne auch nochmal anders vorstellen, dass man vielleicht einfach mal sieht, okay, da ist jemand da, der mithört oder auch nicht oder mit der Überraschung. Ich finde das jetzt nicht ganz gut verteilt. Wann soll ich sozusagen glauben, dass jetzt wirklich die ganz intim sprechen und wann funktioniert es dann eben doch nicht?
68:53
Also das zu zeigen, dass jemand lauscht, damit eröffnest du das Spekulationsfeld in der nächsten Szene natürlich dann schon enorm. Wenn man nicht darauf eingeht, was man gerade gehört hat, dann weiß man ja schon, jemand spielt irgendwie oder hat einen Hidden Agenda, spielt mit doppeltem Boden. Aber du kannst es natürlich schon lösen, das stimmt anders als im Hörspiel.
69:15
Wenn die Auftritte ein bisschen zu schnell sind. Oder wenn man, ich weiß es auch nicht, wir haben ja nur nicht über eine Theaterinszenierung nachgedacht, das stimmt, das ist im Hörspiel zu erzählen, dass jemand womöglich gelauscht hat. Ja, das geht dann halt wieder nur über so telefonierte Sätze. Warte mal. Ich dachte, da wäre etwas. Ah nein, ich habe mich getäuscht. Das macht es halt schon wieder zu groß und ich glaube, das ist auch das, was in der Schlussszene im Hörspiel eben nicht so funktioniert. Dadurch, dass sie aussprechen muss, das Licht ist eigentlich zu dunkel und ich muss einen Wandschirm davorziehen. Wenn das im Hörspiel auf der Bühne nebenbei passiert, gibt es dem gar nicht so das Bewusstsein, wie jetzt hier im Hörspiel, wo dann schon klar ist, es wird nochmal eine Rolle spielen.
69:57
Aber ich, hey, nach 90 Minuten dann dieser eine kleine Fehler. Verzeih ich.
70:02
Auf jeden Fall.
70:03
Ich habe mich auch gefreut, dass der Kommissar überlebt. Ernsthaft. Also ich muss nicht unbedingt mit ihm auf eine Kreuzfahrt gehen, aber ich fand es der Gerechtigkeit genüge. Es hätte mich schon sehr gewundert, wenn es so ausgegangen wäre, dass sie am Schluss triumphiert.
70:15
Ja.
70:16
Oder zumindest, ich dachte nicht, dass sie triumphiert, aber dass sie geschnappt wird, aber dass er trotzdem Opfer geworden ist.
70:22
Das war tatsächlich ein Moment, Ich habe ja dann doch recht viel so vorausgesehen mit der Zeit, wenn man das ein oder andere Krimi-Hörspiel gehört hat, was für Wendungen jetzt noch kommen könnten. Und da dachte ich tatsächlich, nein, hat er den jetzt wirklich umgebracht? Also der Autor bleibt jetzt wirklich tot, da war ich wirklich mal unsicher. Kommt der nochmal zurück oder nicht? Habe mich aber dann eben, weil das Hörspiel schon der zweite Schuss heißt, gedacht, okay, einen Schuss hat sie auf Patrice abgegeben und den zweiten auf ihn abgegeben.
70:51
Also muss damit was sein? Ich hatte mir erst gedacht, der zweite Schuss würde gar nicht funktionieren, aber dann mit der Platzpatron, ja. Ich habe schon gedacht, da würde was sein. Aber so wirklich der Moment, wo ich dachte, das wäre jetzt schon noch krass, wenn der Kommissar tot wäre. Sie wird geschnappt, aber der trotz seiner Hybris mit seinem Plan, den er dann hat. Man kann sie rumdrehen. Er sagt zwar, es gibt das perfekte Verbrechen nicht, aber er macht ja auch sozusagen die perfekte Falle. Auch die hätte er schief gehen können. Die perfekte Falle gibt es nicht. Ich habe gedacht, macht er es jetzt wirklich? Nein, er hat es doch nicht gemacht. Er überlebt.
71:22
Ich denke gerade nur noch, weil die Tatwaffe ja dieser kleine Perlmut verzierte, wie aus einem Aladdin-Schatz stammende kleine Revolver ist, was das über die Mutter vom Kommissar aussagt. In Kombination mit dem Reichtum, den er geerbt hat. Aber ja, vielleicht war Susannes Vater schon mal hinter des Kommissars Mutter her.
71:42
Oder vielleicht war einfach dieser Revolver in Wahrheit unglaublich viel. Werden Sie es einfach mit dem abbauen sollen? Diamanten besetzen, funkeln, hat man es im dunklen Raum nicht mehr gesehen. Wer weiß.
71:54
Es wäre aber schön, wenn man Antiqua noch am Schluss, so out of the blue, genau das beigesteuert hätte.
72:00
Den Kommissar hochnehmen, nein, die Waffe hochnehmen und sagen, oh, das ist aus Troja.
72:08
Entschuldige, albern, aber es wäre so. Ich denke, in meiner Vorstellung machen wir gerade überall andere Schlüsse noch an Hörspiele dran.
72:14
Naja, oder? Es gibt doch diese bekannten Juwele, die dann Queen of irgendwas heißen. Das hatten wir auch schon mal im Krimi-Podcast. Irgend so ein großes, das blaue Juwel oder so.
72:26
Bist du nicht gerade bei Titanic?
72:27
Tiger von irgendwas, ich weiß es nicht. Aber sowas könnte ja auch sein, wenn er auch noch aus Indien stammt, dass da jetzt wirklich noch so ein bengalisches Juwel eingefasst ist, diese Pistole.
72:38
Dann wäre aber das Kammerspiel mit der Einheit von Raum, Zeit und Handlung ganz schön aufgesprengt, wenn wir auf einmal noch tausende Kilometer weit gereist wären.
72:46
Nur kurz vor Schluss.
72:47
Und in der Vergangenheit.
72:48
Kann man schon.
72:48
Hätte man machen können.
72:50
Gut, nehmen wir uns mit. Wir hören uns nächste Woche wieder mit einem Krimi. Doch einige Tage davor schon mit einem gruseligen Hörspiel. Pünktlich zum Vollmond hier im Krimi-Podcast.
73:01
Sehr schön.
73:02
Bis zum nächsten Mod. Macht's gut.
73:15
Das war ein Podcast von SRF.
73:18
Produziert im Auftrag der SRG.